Erforschung von Raum-, Orts- und Feldphänomenen
Erforschung von Raum-, Orts- und Feldphänomenen

Psychotherapie

Räumliche Resonanz in der systemischen Aufstellungsarbeit

In der systemischen Aufstellungsarbeit werden therapeutische Anliegen über menschliche Stellvertreter räumlich externalisiert und damit für den Klienten leiblich erfahrbar gemacht. Das Phänomen der "repräsentierenden Wahrnehmung" ermöglicht die Arbeit auch mit verdeckten Anliegen, ohne dass die Stellvertreter ein Wissen über das Anliegen benötigen. Das Phänomen ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, es wird aber angenommen, dass der Stellvertreter durch leibliche Resonanz mit der Situation des Klienten in Berührung kommt und damit ein überindividueller impliziter Wissenskanal möglich wird.

Innerer Ort in der Hypno- und Traumatherapie

"Die Nutzung eines imaginierten sicheren Ortes gehört sowohl in der Hypnotherapie als auch in der Traumatherapie zum Behandlungsstandard. Die Metapher des inneren sicheren Ortes wird in vielen therapeutischen Ansätzen angewendet. Der Ort muss mehrere Kriterien erfüllen, um als sicherer Ort zu funktionieren. Die Patientinnen müssen sich dort allein wohlfühlen können, d.h. unabhängig von anderen Menschen sein. Der innere sichere Ort darf keine negativen Aspekte aufweisen. Er darf nicht kontaminiert sein. Der Ort darf nicht an Personen, Situationen oder Dinge erinnern, die mit Belastungen verknüpft sind. Ein weiteres Kriterium ist, dass der innere sichere Ort einen imaginierten Schutz benötigt. Der Schutz kann unterschiedliche Formen annehmen, das können sein: eine Mauer, ein Graben, eine undurchdringliche Hecke, ein unsichtbarer Schutz oder Ähnliches. Zugang haben nur die Patientinnen. Sie selbst haben die Kontrolle über diesen Ort und können ihn nach ihren Wünschen gestalten." (Kai Fritzsche 2010: Einführung in die Ego-State-Therpaie, 81f)

 

Anwendungen der Arbeit am inneren Raum und dessen Schutz findet statt in dem systemischen Autonomie-Training: www.autonomie-training.de

 

Bücherrezensionen

Autor: Klaus Blaser

Rezension zum Buch von Dr. Klaus Blaser (2014): "In mir und um mich herum. Ich-Grenzen dreidimensional visualisieren." von Dr. Thomas Latka:

 

Jedes Leben braucht Raum und damit eine Grenze, die es von anderen Räumen unterscheidet. Schon Einzeller als die kleinsten Formen des Lebens haben eine Zellwand, durch die ihr Leben möglich wird.

Es ist eigentlich erstaunlich, dass die psychischen Grenzen in der Psychotherapieforschung bislang so wenig Aufmerksamkeit erhalten haben. Klaus Blaser ist einer der wenigen Psychotherapeuten, der sich diesem Grenz-Thema schon seit Jahren ausgiebig widmet und als Experte der Grenzforschung (Horizologie) das Thema der Ich-Grenzen sowohl theoretisch wie auch konkret praktisch mit seinen eigenen Klienten in der Psychotherapiepraxis erforscht. Diese gewinnbringende Kombination kommt auch in seinem neusten Werk zum Vorschein: "In mir und um mich herum". 

Darin beschreibt er mit zahlreichen Abbildungen 10 Fälle aus seiner Praxis, bei der er die von ihm entwickelte "dreidimensionale Grenzvisualisierung (3D-GV)" anwendet und theoretisch reflektiert. So wird der Brückschlag zwischen Theorie und Praxis in jedem Kapitel spürbar und die Lektüre ein Vergnügen für alle die sich darauf einlassen, dass die Psyche nicht nur im Kopf ist! 

Theoretisch gelingt Blaser die Brücke zwischen Heideggers "In-der-Welt-Sein" über den leiblichen Gefühlsraum von Schmitz bis hin zu Sloterdijks "Herausstellen unerwünschter Affekte". Der Rückgriff auf die Spiegelneuronen und die Neuroplastizität fehlt ebensowenig wie interessante Vergleiche aus der Tierwelt: Wasserflöhe ohne natürliche Feinde entwickeln keinen Helm und keinen Stachelschwanz! Menschen in Gemeinschaften kommen jedoch nicht umhin, eine Ich-Grenze aus- und umzubilden, denn: "Nur mit Grenzen können wir frei sein." (91) und: "Nur mit zwei separaten authentischen Ichs kann eine gesunde Beziehung aufgebaut werden." (175) Man wird erinnert an das Konzept der "bezogenen Individuation" von Helm Stierlin, der ebenso wie Virginia Satir die Wichtigkeit von Eigenem in der Beziehung mit anderen betont. Die Grenzforschung von Klaus Blaser bringt hier wichtige neue Impulse für ein Thema das auch in der Psychosomatik nicht hoch genug beurteilt werden kann.

Fazit: "In mir und um mich herum" ist für Theoretiker wie Praktiker gleichmaßen ein Gewinn. Ist doch nirgend sonst das Thema der Ich-Grenzen so übersichtlich und konkret zusammengefasst wie in diesem Buch. Dass darin zugleich eine neue Methode der Grenzvisualisierung vorgestellt wird, die zum Nachmachen anregt, lässt es klar zu Kaufempfehlung werden, und zwar für alle, die sich persönlich oder professionell mit Ich-Grenzen beschäftigen, aber das sind wir schließlich alle, zumindest solange wir leben.