Erforschung von Raum-, Orts- und Feldphänomenen
Erforschung von Raum-, Orts- und Feldphänomenen

Wirtschaftswissenschaften

In den Wirtschaftswissenschaften spielte der Raum zunächst in der Volkswirtschaftslehre eine wichtige Rolle. So sei zum Beispiel an das im frühen 19. Jahrhundert entwickelte Idealschema der Anordnung der Landnutzungszonen in sogenannte Thünen’sche Ringe/Kreise erinnert. Was die nähere Vergangenheit betrifft, so sind Raum (und Zeit) implizit und explizit in der Leitidee der Nachhaltigen Entwicklung von Bedeutung. In diesem Zusammenhang sind in einem sehr direkt raumbezogenen Bereich der Wirtschaftswissenschaften, in der Tourismusforschung nämlich, von Hansruedi Müller die ökologischen Aspekte früh aufgegriffen worden, später von Dieter Pfister die sozialen in den Fragen der Qualität und Authentizität im Umgang mit der Raumsubstanz und dem Marketing (historischer) Hotels. 

Im Bereich der Betriebswirtschaftslehre stellte sich die Raumfrage zunächst im Laden- und Messestandbau, wo Konsumpsychologen und Marktforscher sowie Ladendesignpraktiker überblicksmässige und auch detailliertere Studien vorlegten. In jüngerer Zeit waren dies im deutschsprachigen Raum etwa Christian Mikunda oder Wilhelm Kreft. Letzterer folgte der in diesem Feld das Raumthema bis heute stark segmentierenden Betrachtungsweise, indem er zwischen einem „Grundleistungsmarketing“, einem „Designmarketing“ und einem „Kommunikationsmarketing“ unterschied. 

Aus dem Blickwinkel von Kommunikation und Dienstleistungsmarketing erarbeiteten Charlotte Bühler und später Dirk Steffen Dissertationen. Das Immobilienmanagement und -marketing wiederum wurde von Karl-Werner Schulte und Nico Rottke sowie von Roman H. Bolliger und Bernhard Ruhstaller grundlegend wissenschaftlich aufgearbeitet.

Relativ selten befasste sich das Personalmanagement mit Raum- und Atmosphärefragen. Raimund Schöll analysierte und differenzierte hier Betriebsatmosphären und Dieter Pfister baute eine Brücke zwischen den Prozessen  des Changemanagement und Raumgestaltung. In einer ganzheitlich-nachhaltigen Betrachtungsweise kommen die Wirtschaftswissenschaften den Raumfragen wohl im Zusammenhang mit der Idee der Marke am nächsten. Hier geht es darum, die Brücke von der Markentheorie zu Raum und Ort zu schlagen.

Seitdem in den 1980er Jahren Lynn Shostack den Begriff des Service Design lancierte, entwickelte sich ein zunehmendes Interesse an dem Design von Dienstleistungen (Brigit Mager, Marc Stickdorn u.a.m.). Gerade im Tourismus ist der Brückenschlag zu Raum, Ort und Atmosphäre, worin Diensleistungen angeboten werden, von grosser Bedeutung. Dieter Pfister schlägt hier eine durchdringende Verbindung des Service Design (Situationsatmosphäre) mit dem Space Design (Raumatmosphäre) zum Atmospheric Design (Ortsatmosphäre) vor.