Erforschung von Raum-, Orts- und Feldphänomenen
Erforschung von Raum-, Orts- und Feldphänomenen

Was ist Topologie?

Topologie heißt die Theorie (Logos) des Ortes (Topos). Darunter verstehen wir auch alle räumlich gefüllten Begriffe wie Atmosphäre, Stimmung, Situation etc. Das topologische Verständnis geht über den relationalen Raumbegriff hinaus zu einem ganzheitlichen topischen Raumverständnis. Der Raum rückt damit als lebendes oder soziales Feld sowie als gestimmte Atmosphäre in den Mittelpunkt, der uns als Menschen nicht nur verbindet sondern auch durchdringt. Die Topologie beschäftigt sich daher mit den Situationen und Lagen, in denen sich Menschen subjektiv befinden, und die sie ergreifen.

 

Die Topologie kann als interdisziplinäre Feldtheorie den Dialog sowohl mit alten  vergessenen wie auch mit modernen Raum- und Feldtheorien in den Einzelwissenschaften schaffen. Darunter fallen z.B. die Lehre eines sozialen Feldes oder die Theorie morphischer Felder ebenso wie moderne Raumgestaltungstheorien oder die aktuelle Quantenfeldtheorie in der Physik.

 

Die Topologie kann auf eine reiche Geistesgeschichte zurückschauen, insbesondere in der japanischen Kultur, die sich selbst als "topische" Kultur beschreibt. Topologie erfordert also ein echtes interkulturelles Verstehen aus der Teilnehmer- und Nutzer-Perspektive.

Was ist der "Topos"?

Mit Topos ist gemeint:

  • Feld, z.B. in der topologischen Psychologie von Kurt Lewin.
  • Situation und Leib in der Neuen Phänomenologie von Hermann Schmitz
  • Ort (basho: 場所) in der japanischen Philosophie von Kitarô NISHIDA
  • Naturräume, in der systemischen Naturtherapie, wie z.B. 
    • Wasser und Küste: Für Prozesse des Kommens in die Welt und die Abhängigkeit von dem mütterlichen Element
    • Wald: Für Prozesse der Auseinandersetzung mit anderen in Kommunikation und sozialem Arragement
    • Flusslandschaften: Für Prozesse des Fließens und der Weitergabe der elterlichen Kraft und Liebe in die nächsten Generationen
    • Bergraum: Für Prozesse des Reifens und Aufsteigens im höheren Alter und dem Tod.

Übersicht: Ding - Ereignis - Feld (Topos)

  Ding Ereignis Feld
Grundsatz Die Außenwelt besteht nur aus festen körperlichen, identifizierbaren, manipulierbaren und quantifizierbaren Dingen, alles andere wird hinter einen Vorhang in ein separates Haus der subjektiven Seele abgeschoben.  Die Welt besteht aus verschiedenartigen Ereignissketten die parallel operieren. Es gibt verschiedene Arten von Ereignisketten mit je eigenen Arten von Ereignissen, wie z.B. soziale, psychische und lebendige, die füreinander Umwelt sind. Die Welt besteht aus leiblich spürbaren räumlichen Atmosphären oder Feldern, die jeden einzelnen Menschen immer schon durchdringen. 
Differenz Außen-Innen-Differenz extern: Differenz der Operationstypen

intern: Anschlussdifferenz
Unterschiedlichkeit der Feldmuster
Unterscheidung eine Unterscheidung (zwischen Außen- und Innenwelt) n-Unterscheidungen (zwischen verschiedenen Operationstypen) n+1-Unterscheidungen (zwischen verschiedenen Richtungen)
Richtung kein Richtungsbegriff 1 Richtung (von der Vergangenheit in die Zukunft) Beliebige Richtungen (im Raum)
Kreativität keine, nur von Außen getriggert,

lediglich Reiz-Reaktions-Schema
als Sicherstellung des Anschlusses von innen heraus Ko-Kreation, Konsonanz
Lernen Nürnberger-Trichter-Lernen nicht-integriertes Lernen, je nach Ereigniskette unterschiedlich leiblich, gespürtes, synästhetisches Lernen
Sinnesqualität (visuell-) haptisch auditiv-linear leiblich-erlebt, visuell-gespürt
Raum n-dimensionaler Außenraum als Container-Raum eindimensionale Gerade, Linie prädimensionales voluminöses Feld, Atmosphäre
Tatsachen objektive Tatsachen ereignishafte Tatsachen = Ereignisse subjektive Tatsachen
Körperlichkeit Körper Psyche, Gehirn Leib, "körperlicher Raum"
Ismus räumlicher Mechanismus Neurobiologismus Topozentrismus
Denker Platon, Aristoteles, Descartes

(klassische westliche Philosophie)
Fichte, Whitehead, Luhmann Nishida, Lewin, Schmitz
Andere Begriffe "Substanz" (Rombach), "Konstellation" (Schmitz) "System" (Rombach) "Struktur" (Rombach), "Situation" (Schmitz)