Erforschung von Raum-, Orts- und Feldphänomenen
Erforschung von Raum-, Orts- und Feldphänomenen

Personale Topologie: Der eigene Raum zum Leben

"Gewöhnlich denken wir das Ich (ware) - so wie auch das Ding - als eine subjektive Einheit, die verschiedene Qualitäten besitzt. Eigentlich ist aber das Ich keine subjektive Einheit, sondern muss vielmehr eine prädikative Einheit sein; es ist kein Punkt, sondern ein Kreis, es ist kein Ding, sondern ein Ort."
Nishida, Logik des Ortes, S. 131

Seit 2.500 Jahren dominiert in der philosophischen Tradition des Westens die Trennung zwischen einem räumlichen Außenwelt, dem Körper, und einer unräumlichen Innenwelt, der Psyche. Die Brücke zwischen Körper und Psyche wird zwar häufig pragmatisch angenommen, aber das dahinterliegende Problem nicht wirklich gelöst. Das sogenannte Leib-Seele-Problem beschäftigt daher nach wie vor die philosophische Fachwelt.

Im Unterschied zu dieser Trennung zwischen räumlichen Außenwelt und unräumlicher Innenwelt geht die phänomenologische Topologie davon aus, dass alles Erleben und Handeln stets räumlich ist. Das sogenannte Leib-Seele-Problem ist daher ein Scheinproblem, da der Mensch als Subjekt immer schon verkörpert ist und daher räumlich in der Welt ist. Schmerzen leiden, lachen und sich freuen, einkaufen gehen, Klavier spielen, sprechen, miteinander tanzen - das alles ist stets räumlich erlebbar.

In der phänomenologischen Topologie gehen wir daher davon aus, dass der Mensch als Person sich schon stets räumlich und leiblich in der Welt befindet, und es eine unräumliche psychische Innenwelt gar nicht gibt. Anstelle von einer Psyche ist daher von einem personalen Eigenraum zu sprechen, den jeder Mensch leiblich einnimmt. In diesem Eigenraum kann es mehrere Ich-Zustände (Ego-States) geben, die sich räumlich anordnen lassen. 

 

Der eigene Raum der Person

Jeder Person hat sein eigenes Schiff als eigene räumliche Einheit. Es gibt jedoch häufig Situationen, in denen dieses eigene Schiff gar nicht in Anspruch genommen wird. Hierbei gilt es zu Lernen, das jeder das Recht hat, den eigenen Raum auch einzunehmen, da er sonst von anderen eigenommen wird, und so das eigenen Leben nicht gelebt werden kann.

 

Das Aussteigen aus fremden Räumen

Die psychotherapeutische Erfahrung zeigt, dass Personen häufig in fremden Räumen stehen und sich dort betätigen, anstatt sich zu ihren eigenen Ort zurückzuziehen. Hier sind Methoden hilfreich, die die Ablöseprozesse beim Klienten unterstützen. 

 

Die Integration der verschiedenen personalen Fassungen

Im eigenen Raum gibt es verschiedene Anteile der Person, die man als unterschiedliche Fassungen der Person bezeichnen kann. Diese werden in der Psychotherapie als Persönlichkeitsanteile, Ich-Zustände oder Ego-States bezeichnet. Ziel einer Psychotherapie ist die Integration und Verbindung mit all diesen Persönlichkeitsanteilen, nicht aber die ununterscheidbare Verschmelzung, da diese häufig nicht realistisch erreicht werden kann.

 

Unterscheidung personaler Räume durch Grenzen

Um den eigenen personalen Raum von anderen zu unterscheiden, ist eine Grenze erforderlich die zugleich Kontakt erlaubt. Diese Grenze ermöglicht somit die Unterscheidung zwischen zwei personalen Räumen und deren Verbindung im interpersonalen Raum.